BESTE TISCHE: FEBRUAR 2025
Restauranttipp für BERLIN: Rocoto
© Bonappetrip / Angelika Schwaff
Das Rocoto ist wahrlich kein gastronomischer Neuzugang in der Stadt. Seit 2019 wird hier gekocht, was Peru ausmacht. Mit frische Zutaten, kräftige Aromen, Einflüssen aus Japan, China, Spanien und den Anden. Warum ich aber bislang noch nicht hier war, weiß ich nicht. Shame on me! Der Raum ist klein, er liegt im Souterrain, die Stimmung lebhaft, die Tische eng beieinander, es ist laut, aber erträglich. Die Karte liest sich wie eine Reise durch die peruanische Küche. Ceviche, so frisch und herrlich säuerlich, dass es auf der Zunge vibriert. Tacos, knusprigund köstlich gefüllt. Und dann die Käse-Empanadas, die besten, die ich je in Berlin gegessen habe. Bei den Hauptgerichten ging es klassisch weiter. Lomo Saltado, ein Stir-Fry mit zartestem Rind, serviert mit einem cremigen Risotto und Aji-Amarillo-Soße. Meine Freunde hatten Thunfischfilet, Dorade und Schweinebauch bestellt. Ich probierte und staunte. Die Auswahl für Vegetarier ist allerdings leider überschaubar, doch was serviert wird, überzeugt. Der Service ist aufmerksam, das Team herzlich, die Küche voller Ideen. Das Rocoto zeigt, wie facettenreich peruanische Küche sein kann. Und dass sie hier genial aufgetischt wird. Toll!
Rocoto, Winterfeldtstr. 17, 10781 Berlin
Restauranttipp für Berlin: BRIKZ
© Bonappetrip / Angelika Schwaff
Manchmal frage ich mich, ob Arne Anker heimlich meine Gedanken liest. Jedes Mal, wenn ich hier esse, bin ich sicher: besser geht’s nicht. Und dann kommt das nächste Menü und beweist mir das Gegenteil. Das Brikz ist kein Restaurant, das sich in ein festes Korsett zwängt. Hier gibt es keine starren Menüstrukturen, keine Dogmen, nur die Freiheit, sich den Abend genau so zusammenzustellen, wie man es möchte. Ein mehrgängiges Menü? Logisch. Doch wer nur ein, zwei Teller à la carte essen will, ist genauso willkommen. Dir passen drei Gänge aus dem fünf gängigen Menü nicht? Und du findest auf dem veganen oder auf dem à la carte Menü nichts? Dann macht dir Arne einfach etwas ganz anders. Die Küche ist durchdacht, kreativ, aber nie bemüht. Geschmack steht über allem. Und was für Geschmack! Ich hatte keine Änderungswünsche. Es gab Makrele mit Buttermilch und Dashi. Frisch, leicht, mit genau der richtigen Menge Umami. Danach Artischocke der Welt mit Palmkohl und Sambal. Die Artischocke war wahrscheinlich die beste, die ich je gegessen habe. Das Sambal? So gut, dass ich mir direkt ein Kilo davon in den Vorratsschrank stellen wollte. Dann – natürlich – der Sauerteigbrot-Gang mit geschlagener Butter, der immer dazugehört. Weiter ging es mit Iberico Schwein, butterzart, begleitet von Kartoffeln, Zwiebeln, Brokkoli und einem kräftigen, fast sirupartigen Jus. Zum Abschluss ein Dessert aus Feige, Pekannuss und Joghurt. Elegant, nussig, genau richtig. Und dann, weil es hier schon fast Tradition ist bester Sticky Toffee Pudding mit Dulce de Leche. Dass ein Restaurant konstant gut ist, ist selten. Dass es sich jedes Mal neu erfindet und dabei nie den Kern verliert, fast unmöglich. Im Brikz passiert genau das. Und deshalb ist es einer der besten Tische der Stadt.
Brikz, Grolmanstraße 53/54, 10623 Berlin
Restauranttipp für Berlin: Trio
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Es gibt diese Orte, die einfach stimmen. Das Trio in Berlin ist so einer. Ein Wirtshaus, aber keines, das einfach nur auf Nostalgie setzt. Sondern eines, das Wirtshausküche so kocht, wie sie sein soll. Präzise und zeitlos. Mit Produkten, die von besten Produzenten stammen. Das Restaurant ist die Wirtshaus-Schwester des Otto und des Pulpo. Man sitzt an einer schönen Fensterfront, an kleinen Tische. Mittags kann man nicht reservieren, abends auf jeden Fall. Wer dann spontan kommt, hofft auf einen Platz an der langen Bar. Vor ein paar Monaten aß ich hier den wohl besten Kartoffelsalat meines Lebens. So schlicht, so gut, dass ich nachfragen musste. Das Geheimnis? Zwiebelbrühe. Dazu gab es eine Forelle, fein und klar im Geschmack, ein klassisches Schnitzel, goldgelb und knusprig, und eine vegane Version, die so gelungen war, dass sie selbst Fleischesser überzeugt. Diesmal stand “Himmel un Äd” auf der Karte. Kartoffelpüree, Blutwurst, Apfel. Ich habe das rheinische Gericht oft gegessen, oft gefilmt, oft von tollen Köchen neu interpretiert. Hier kam es klassich auf den Tisch. Mein Wunsch, der ohne Zögern erfüllt wurde: die Hälfte des Pürees gegen den Kartoffelsalat getauscht. Perfekt. Das Trio ist ein Ort der sich lohnt. An dem die Küche den Spagat zwischen Bodenständigkeit und Perfektion schafft. Und an dem man nach dem Essen bereits den nächsten Besuch plant, ich auf jeden Fall.
Trio, Linienstraße 13, 10178 Berlin
Restauranttipp für BERLIN: NIN HAO
© Bonappetrip / Angelika Schwaff
Seit Jahren fahre ich an diesem Restaurant vorbei. Die Fenster sind immer beschlagen, das Innere daher fast unsichtbar. Doch die Ahnung war da: Hier könnte es gut sein. Der Anlass für den Besuch war ein Geburtstag. Das Geburtstagskind wollte Hotpot, ein Essen, das mehr ist als nur Speisen. Es ist Ritual, Geselligkeit, Schärfe und Brühe- Vor allem das Zusammenteilen also ideal für so eine Feier. Ach, und es sollte in Charlottenburg sein, weil dort weitergefiert werden sollte. Hotpot erlebt in Berlin gerade einen Boom. Fast überall wird er serviert. Doch nur wenige machen ihn wirklich gut. Ich kenne Hotpot in Perfektion, hausgemacht bei meinen Freundinnen Kim und Soo. Wer dieses Glück nicht hat, muss ins Restaurant.
Das Nin Hao ist schlicht, die Einrichtung funktional. Der Fokus liegt auf dem Essen. All you can eat, 30 Euro pro Person, eine Auswahl, die uns echt beeindruckt hat. Und tatsächlich, der Hotpot hier ist der beste, den ich bisher in Berlin gegessen habe. Die Brühen aromatisch, die Zutaten frisch, das Konzept simpel, aber lecker. Nicht alles ist perfekt. Das inkludierte Softeis als Dessert sollte man weglassen. Die Vorspeisen am Buffet? Bis auf die karamellisierten Kartoffeln verzichtbar. Aber alles, was für den Hotpot bestellt wurde, war ausgezeichnet. Wer eine gute Hotpot-Erfahrung sucht, wird hier glücklich. Wer eine cozy Atmosphäre sucht, vielleicht weniger. Doch am Ende zählt, was im Topf landet. Und das ist hier richtig gut.
Nin Hao, Bismarckstraße 24, 10625 Berlin (keine Webseite)
restauranttipp für Berlin: Bieberbau
© Bonappetrip / Angelika Schwaff
Der Abend im Bieberbau beginnt für mich mit einem Moment des Innehaltens. Das Licht ist gedämpft, es liegt Teppich, die Wände mit kunstvollen Stuckarbeiten versehen, Bachus schaut mich von der Seite an. Dabei trinke ich ja kaum noch, vielleicht verdreht er deshhalb so die Augen. Der Raum erzählt mehr als manch Museum. Kein Wunder: Ursprünglich war dies das Atelier des Bildhauers und Stuckateurmeisters Richard Bieber. Er baute es 1894 als Arbeitsstätte, später wurde es zu einem Treffpunkt expressionistischer Künstler wie Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner. Im Krieg wird das Haus zerstört, aber dieser Raum übersteht. Er wird gerettet und liebevoll restauriert, das Restaurant steht heute unter Denkmalschutz.
Seit über 15 Jahren hält das Bieberbau seinen Michelin-Stern. Küchenchef Stephan Garkisch setzt auf eine moderne, deutsche Küche mit französischen Akzenten. Er kocht mit dem, was die Region hergibt, oft aus dem eigenen Garten im Naturpark Barnim. Wild, Fisch aus den umliegenden Gewässern, viel Gemüse und Kräuter. Alles sorgfältig abgestimmt, alles mit Sinn.
Der Anlass meines Besuchs war ein Abschied. Mein Food-Freund Domingos kehrt zurück nach Brasilien, nach Jahren in Berlin, in denen wir unzählige Restaurants ausprobiert haben. Sein vorletzter Abend in der Stadt sollte etwas Besonderes sein.
Die Speisekarte wechselt monatlich und bietet saisonale Menüs, darunter auch vegetarische Optionen. Ich hatte dennoch einen köstlichen Hirschrücken mit Steckrübe, Kohlröschen dun Rauchmandeln, Domingos den Fischgang. Ein 3-Gang-Menü, das wirklich ausreichend ist, kostet nicht einmal 90 Euro. Bedenkt man also den Stern ein echter Schnapper in Berlin. Und ich weiß nicht ob es der fast schon versteckten Lage des Restaurants liegt oder am Interierur, aber Domingos und ich waren sicherlich die jüngsten Gäste im Bieberbau.
Bieberbau, Durlacher Straße 15, 10715 Berlin
RESTAURANTTIPP FÜR BERLIN: TIM RAUE
© Bonappetrip / Angelika Schwaff
Eines vorweg: Ich war für ein PR-Event eingeladen. So viel Transparenz muss sein. Normalerweise empfehle ich euch Restaurants, in denen ich selbst bezahle – diesmal war es anders. Zwiesel Glas, mit denen ich schon mal für meinen Newsletter zusammengearbeitet habe, hat eine neue Glaskollektion mit Tim Raue entwickelt. „Kolibri“ heißt sie. Hübsch, klein, elegant und geeignet für die Spülmaschine. Präsentiert wurde sie direkt bei Raue, natürlich mit einem Menüs und Getränkebegleitung.
Das Menü hat mich überzeugt. Fünf von sechs Gängen haben für mich den Nagel auf den Kopf getroffen. Mein Favorit war ganz klar der Auftakt: „Kokosnuss“. Ein Sud aus grünem Curry mit Ingwer-Kombucha, dazu ein Schaum-Mousse, geeiste Kokosperlen, Baiser aus Kokosnusspulver, geröstetes Eis, roter Chili, Kürbis, ein intensives Zwiebelpüree, Apfel – und dazu eine gehörige Note von Kaffirlimette und Koriander. Right down my alley. Dann der Zander, begleitet von Sauerkraut mit Ananas und peruanischer Minze in einer Beurre Blanc, die naturgemäß so köstlich war, dass ich mich fragte, ob ich den Teller ablecken kann, ohne aufzufallen. Auch der Garnelen-Cocktail und das Hühnerfrikassee waren perfekt balanciert. Nur der Sichuan-Hase war nicht so meins.
Die Weinbegleitung? Ich trinke kaum noch Alkohol und kenne mich wenig aus, aber meine Geschmacksknospen vom Nippen sagten: eine glatte 10 von 10. Und das Serviceteam war wie immer unfassbar herzlich, freundlich und aufmerksam. Ein rundum gelungener Abend. Und es ist doch schön, wenn sich Raue darauf verlassen kann, dass sein Team, Speisen und Getränke und in diesem Fall sogar die Weingläser den besten Eindruck hinterlassen.
Restaurant Tim Raue, Rudi-Dutschke-Straße 26, 10969 Berlin